Unsere Bundessiegerinnen auf der Falling Walls Konferenz

Jedes Jahr am 9. November 2016 findet in Berlin in Erinnerung an den Tag des Mauerfalls eine der renommiertesten und exklusivsten Vortragsveranstaltungen Deutschlands statt – die Falling Walls Konferenz. Hier kommen jedes Jahr international führende Köpfe aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen und berichten über wegweisende Entdeckungen und Entwicklungen. Mittendrin waren in diesem Jahr auch unsere beiden Bundessiegerinnen Amelie Vandeven und Ann-Kathrin Kohler, die sich mit dem Publikumspreis auch den Eintritt zu dieser Konferenz gesichert hatten. So eröffnete sich für die beiden mit der Teilnahme eine ganz neue Welt des Wissens und des Austausches von Ideen. Die beiden 12-jährigen Schülerinnen des Julius-Echter-Gymnasiums in Elsenfeld waren die mit großem Abstand jüngsten Teilnehmerinnen der Konferenz und zogen sofort zahlreiche neugierige Blicke auf sich. Mehr als einmal mussten sie erklärten, wie es zur Teilnahme an der Falling Walls Konferenz gekommen war.

Am späten Nachmittag der Konferenz erwartete die beiden noch ein echtes Highlight: ein exklusives Treffen mit Professor Karsten Danzmann, dem Direktor des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik an der Universität Hannover, und ebenfalls Sprecher auf der Konferenz (hier kann man seinen Vortrag anschauen). Professor Danzmann hat es in diesem Jahr mit einem internationalen Team von Wissenschaftlern geschafft, erstmals die bereits von Albert Einstein vor 100 Jahren hervorgesagten Gravitationswellen nachzuweisen. Dies ist ein bedeutender Durchbruch für die Forschung, eröffnet es doch ganz neue Möglichkeiten, mehr über die Beschaffenheit unseres Universums zu erfahren. Was Gravitationswellen überhaupt sind, hat er unseren beiden Siegerinnen sehr einfallsreich und mit Unterstützung ganz einfacher Utensilien wie Papier und Stift in nur zwei Minuten erklärt. Wir konnte dabei mit dem Handy mitfilmen und daher kann man sich das nun hier ansehen.

Prof. Dr. Danzmann erklärt die Relativitätstheorie in zwei Minuten

Im Anschluss hatten unsere beiden Siegerinnen noch ein paar Fragen an Herrn Danzmann, die dieser mit großer Geduld beantwortet hat.

Ann-Kathrin Kohler: Wir sind ja von Jugend präsentiert und darum würden wir Sie gern auch noch etwas in Sachen Präsentationen fragen: wir waren vor unserem Auftritt beim Finale sehr aufgeregt – sind Sie eigentlich auch noch aufgeregt oder legt sich das irgendwann?

Karsten Danzmann: Aufgeregt bin ich nicht mehr, nein. Aber wenn man gar kein Adrenalin mehr hat, dann wird es auch nichts – dann ist man ein abgehalfterter Schauspieler, der regt sich nicht mehr auf, aber die Schau ist dann auch nicht mehr gut. Ein wenig Excitement gehört schon dazu. Das ist aber, bevor man auf die Bühne tritt. Wenn ich dann auf der Bühne stehe, dann bin ich absolut ruhig.

Amelie Vandeven: Und wenn Sie mal einen Versprecher haben oder einen Blackout – was machen Sie denn da? Wie kommen Sie dann wieder rein?

Karten Danzmann: Das gehört dazu und lässt sich manchmal nicht vermeiden. Die einzige Möglichkeit, das zu vermeiden ist, sich alles aufzuschreiben. Aber wenn man das dann abliest, wirkt es steif und hölzern. Ein Vortrag sollte jedoch leben. Menschen machen Fehler, man verspricht sich mal, man verhaspelt sich, aber: Das macht die Sache menschlich und das stört das Publikum auch überhaupt nicht. Denn die wollen ja gar keinen Roboter hören, sondern einen Menschen sehen. Es muss menschlich bleiben.

Ann-Kathrin Kohler: Wir haben jetzt das erste Jahr Physik und wir würden gerne wissen, welches Thema Sie in Ihrer Schulzeit in Physik am spannendsten fanden.

Karsten Danzmann: Gravitation natürlich und Gravitationswellen (lacht). Ehrlich gesagt kann ich mich da gar nicht mehr genau erinnern – das ist zu lange her. Auf die Physik bin ich aber auch nicht durch die Schule gekommen, sondern durch die Astronomie. Ich habe mich schon immer für Sterne interessiert. Mit 12 Jahren habe ich mein erstes Teleskop bekommen und damit in die Sterne geguckt. Nun bin ich wieder zurückgekommen zur Astronomie – nur mit anderen Teleskopen.

Amelie Vandeven: Was war eigentlich ihre Abipunktzahl?

Karsten Danzmann: Oh, wir hatten noch keine Punktzahlen, die gab es zu meiner Zeit noch nicht. Es war zu der Zeit übrigens auch nicht möglich, besser zu sein als eine glatte eins. Da gab es nur die normalen Einzelnoten.

Ann-Kathrin Kohler: Und wie war nun ihr Schnitt?

Karsten Danzmann: (schmunzelt) Der war bei mir 1,7.

Ann-Kathrin Kohler: Wow, nicht schlecht. Und im Gegensatz dazu, was war Ihre schlechteste Note?

Karsten Danzmann: (überlegt) Kunst war nicht mein Fall, da habe ich mich Mühe auf ein Ausreichend hochgearbeitet (lacht).

Amelie Vandeven: Worauf achten Sie bei Präsentationen eigentlich besonders?

Karsten Danzmann: Oh, das kann ich gar nicht so einfach sagen. Ich gebe für meine Studenten sogar extra Kurse darüber, wie man gute Vorlesungen und Vorträge hält. Da gibt es viele, viele Kleinigkeiten, auf die man achten kann. Das Gute am Präsentieren ist: Es ist ein Handwerk, das man lernen kann. Es fängt mit so Kleinigkeiten an, dass man den Blickkontakt zu seinem Publikum halten sollte, und zwar mit freundlichen Blicken. Auch liest man nicht seine Folien einfach vor. Die Folien sieht das Publikum schließlich auch. Die Kraft des gesprochenen Wortes muss wirken und nicht etwa tonnenweise Texte auf Folien. Dann könnte ich genauso gut sagen: lest euch das durch, ich komme in 20 Minuten wieder. Das sind aber nur ein paar Beispiele von den Dingen, die ich versuche, meinen Studenten mit auf den Weg zu geben.

Ann-Kathrin Kohler: Wie sind Sie eigentlich dazu gekommen, so eine große Unternehmung mit so vielen Wissenschaftlern zu leiten?

Karsten Danzmann: Ach, das hat sich so ergeben, das Thema ist irgendwie zu mir gekommen. An einem bestimmten Punkt des Lebens muss man sich darüber Gedanken machen, was man eigentlich machen möchte und was einem wirklich wichtig ist. Manche wollen Macht, manche wollen Geld, mache wollen mit Menschen umgehen. Für mich war irgendwann klar, dass ich mein eigener Chef sein wollte und als Professor ist man das. Weil ich sowieso schon bis über beide Ohren in der Wissenschaft steckte, bot sich das einfach an.

Amelie Vandeven: Wie hat es sich eigentlich angefühlt, als Sie gemeinsam mit den anderen Wissenschaftlern die Gravitationswellen nachgewiesen haben?

Karsten Danzmann: Da war am Anfang Unglaube. Wenn man so lange an einer Sache arbeitet und hinter etwas her ist, dann bricht man nicht sofort in großen Jubel aus – so funktioniert Wissenschaft auch nicht. In der Wissenschaft gibt es keine Sicherheit. Das machen sich die meisten Menschen aber nicht klar, weil viele einfache und schnelle Antworten haben wollen. Die fragen nur: Habt ihr jetzt etwas gefunden oder nicht? Der Wissenschaftler – wenn er ehrlich ist – kann jedoch nur sagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit z.B. ein gemessenes Signal echt und nicht etwa menschlichen Ursprungs ist. Wir haben unsere Daten so lange ausgewertet, bis wir uns sicher waren, dass die Fehlerwahrscheinlichkeit klein genug ist. Erst dann haben wir unser Ergebnis veröffentlicht. Weitere Daten haben mittlerweile unsere Ergebnisse bestätigt. Dass wir die Gravitationswellen gemessen haben, kann man also schon ganz gut glauben.

Amelie Vandeven: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben!

Den kompletten Vortrag von Prof. Dr. Danzmann auf der Falling Walls Konferenz gibt es hier noch einmal zum Nachhören: http://falling-walls.com/videos/Karsten-Danzmann-10664.

Bild: Benjamin Pritzkuleit