Lernen nicht ersetzen, sondern verbessern: Beim Lab Day gemeinsam KI in Präsentationen neu denken
Wie kann KI sinnvoll in der Präsentationsvorbereitung und im Unterricht eingesetzt werden, ohne das Lernen zu ersetzen, sondern vielmehr gezielt zu unterstützen? Mit dieser und weiteren Fragen beschäftigten sich vom 2. bis 4. März rund 30 Lehrkräfte aus dem Jugend präsentiert-Netzwerk beim diesjährigen Lab Day in Erfurt. Unter dem Motto KI – Herausforderungen und Chancen beim Präsentieren und bei der Implementierung in den Schulalltag bot die Veranstaltung den Teilnehmenden Raum, eigene Fragen aus der Unterrichtspraxis einzubringen, gemeinsam Materialien zu entwickeln und neue Methoden für die KI-Nutzung auszuprobieren. Dabei ging es nicht nur darum, neue Tools kennenzulernen, sondern vor allem darum, zu überlegen, wie Künstliche Intelligenz Lernprozesse sinnvoll begleiten und Präsentationen von Schüler*innen in Zukunft noch besser unterstützen kann. Dabei sind wieder viele Arbeitsblätter entstanden, die für das Lehrkräftenetzwerk im Jugend präsentiert-Lab Bereich zur Verfügung stehen.
Der Start in den Lab Day: Warum AI Literacy für Schüler*innen immer wichtiger wird
Den Auftakt bildete am Montagabend ein gemeinsames Kennenlernen mit anschließendem Impulsvortrag der Jugend präsentiert-Kolleg*innen Maria Föttinger und Ruben Burkard. In ihrem Beitrag ging es um die Frage, welche Fähigkeiten Schüler*innen benötigen, um Künstliche Intelligenz kompetent bei der Vorbereitung ihrer Präsentationen zu nutzen, also die sogenannte AI Literacy der Schüler*innen zu fördern. Diese umfasst ein grundlegendes Verständnis von KI, die Fähigkeit, KI sinnvoll zu nutzen, zu bewerten und einen ethisch reflektierten Umgang mit KI. Für die Präsentationsvorbereitung im MINT-Bereich wird die AI Literacy durch zwei weitere Aspekte ergänzt: Fachwissen und Präsentationskompetenz. Denn der Einsatz von KI gelingt nur dann sinnvoll, wenn die Inhalte auch fachlich durchdrungen und adressatengerecht aufbereitet werden können.
Außerdem stellten die beiden ein praxisnahes Modell zum Thema “Lernen und KI” vor, das sie auf den Kontext des Präsentierens anwendeten. Dieses Modell basiert auf den fünf Dimensionen von Joscha Falck: Lernen über KI (z. B. Chancen und Grenzen von KI verstehen), Lernen mit KI (z. B. Ideen für Gliederung oder Visualisierung sammeln), Lernen durch KI (z. B. Feedback zur Vorbereitung nutzen), Lernen trotz KI (z. B. Präsentations- und Fachwissen für Prompting nutzen) und Lernen ohne KI (z. B. eigene Gedanken bewusst selbst strukturieren). Ein zentrales Learning war dabei, dass vor allem das Lernen durch KI für die Präsentationsvorbereitung sehr gewinnbringend sein kann.

Ideenwerkstatt und neue Ansätze für Präsentationen mit KI
Am Dienstag stand die gemeinsame Arbeit in den sogenannten „Labs“ im Mittelpunkt. In drei Arbeitsphasen entwickelten die Teilnehmenden in wechselnden Gruppen Ideen und Materialien für den Unterricht. Das offene Format des Lab Day ermöglichte es den Lehrkräften, eigene Themen einzubringen und mit Kolleg*innen aus anderen Schulformen zu bearbeiten.
Neben Fragen zum Einsatz von KI in der Präsentationsvorbereitung wurde beispielsweise darüber diskutiert, wie Schüler*innen beim Formulieren von Prompts angeleitet werden können, wie KI-Tools zur sprachlichen Überarbeitung von Präsentationstexten eingesetzt und Schüler*innen sich ein Feedback zu ihrer Präsentation in Bezug auf die Argumentation und Adressat*innenorientierung einholen können. Auch Themen ohne direkten KI-Bezug fanden ihren Platz, etwa der gemeinsame Austausch über die Präsentations-Olympiade und den Schulwettbewerb.
Eva-Maria Thom vom Städtischen Gymnasium Koblenzer Straße nahm dieses Jahr das erste Mal an einem Lab Day teil. Besonders bereichernd fand sie den kollegialen Austausch und die Möglichkeit, gemeinsam zu überlegen, wie KI sinnvoll in Präsentationen integriert werden kann. Ihre Gruppe nahm die Jugend präsentiert-Module in den Blick und identifizierte Möglichkeiten, wo KI hier gezielt eingesetzt werden könnte. „KI kann zum Beispiel helfen, thematische Lücken in Präsentationen zu erkennen oder Feedback zur Performanz der Schüler*innen zu geben. Natürlich lässt sich das noch weiter ausbauen“, erzählt sie und resümiert über den Lab Day: „Vor allem der kollegiale Austausch – auch bundesländerübergreifend – ist unglaublich gewinnbringend und für mich sehr wertvoll.“
Neben der intensiven Arbeitsphase blieb auch Zeit für informellen Austausch. So führte der Thüringer Landeskoordinator Falko Stolp die Gruppe durch Erfurt und erzählte dabei spannende Fakten zu seiner Heimatstadt. Im Restaurante Roma in der Erfurter Altstadt setzten die Teilnehmer*innen ihre Gespräche fort, knüpften neue Kontakte im Netzwerk und reflektierten die ersten Ergebnisse der Lab-Phasen.

Gemeinsamer Abschluss: KI-Bots, Feedback und neue Konzepte für die Praxis
Am letzten Tag wurden die begonnenen Gruppenarbeiten fortgesetzt und anschließend die Ergebnisse aus den einzelnen Labs vorgestellt. In einer gemeinsamen Abschlussrunde präsentierten die Gruppen ihre in den letzten beiden Tagen entstandenen Ideen, Materialien und Unterrichtskonzepte. Dabei wurde deutlich, wie vielseitig KI im Unterricht und für Präsentationen eingesetzt werden kann, beispielsweise zur Unterstützung bei der Themenrecherche, bei der Erstellung von Bildern und Grafiken oder auch zur Formulierung von Feedback.
Für Erik Schneider vom Robert-Schumann-Berufskolleg Essen war es bereits die dritte Teilnahme am Lab Day. Zudem ist er seit 2016 als Multiplikator für Jugend präsentiert aktiv. Auch er schätzte den Austausch mit anderen Lehrkräften. Seine Gruppe entwickelte beispielsweise einen KI-Bot, der Präsentationen von Schüler*innen analysieren und anschließend Feedback geben soll. Er sagt dazu: „Wir haben uns die KI aus verschiedenen Blickwinkeln angeschaut. Ich war in der Gruppe, die sich mit KI-Assistenten und KI als Feedbackgeber beschäftigt hat. Wir haben ausgelotet, was möglich ist. Teilweise gab es auch Frustration, aber am Ende konnten wir einen Leitfaden entwickeln, der zeigt, wie man mit KI den Schüler*innen gutes Feedback geben kann.“
Ein weiteres Gruppenmitglied war Katharina Wolf (DESY Schülerlabor physik.begreifen): „Es war eine spannende Aufgabe mit erfolgreichen Momenten, aber auch Dingen, die nicht auf Anhieb geklappt haben. Alles in allem war es eine lehrreiche Erfahrung beim Lab Day“, erzählt Katharina, für die der Lab Day ebenfalls eine Premiere war.
Auch die ethische Perspektive spielt eine wichtige Rolle. „Wenn man sich mit KI beschäftigt, sollte man immer auch die ethische Dimension im Blick behalten“, betont Erik. Deshalb beteiligte er sich zusätzlich an einer Gruppe, die sich mit Fragen des verantwortungsvollen und reflektierten KI-Einsatzes im Unterricht auseinandersetzte.
Abschließend richtet Erik einen klaren Appell an seine Kolleg*innen: „Meldet euch für den Lab Day oder das BarCamp von Jugend präsentiert an! Euch erwartet ein toller Austausch und viele Inspirationen, die ihr mitnehmen könnt.“
Der Lab Day endete schließlich mit zahlreichen neuen Impulsen, konkreten Unterrichtsideen und einem gestärkten Netzwerk. Die drei Tage in Erfurt boten für die teilnehmenden Lehrkräfte nicht nur die Gelegenheit, sich intensiv mit dem Thema KI auseinanderzusetzen, sondern auch gemeinsam neue, individuelle Ansätze und Materialien für den eigenen Unterricht zu entwickeln. Damit setzte der Lab Day wichtige Impulse für einen innovativen und zugleich reflektierten Einsatz von KI im Schulalltag.
