Von der Theorie in die Praxis: So erprobt eine Lehrerin aus Berlin-Charlottenburg eine selbstentwickelte Übung

Zwei Grundschüler sitzen an einem Tisch im Klassenzimmer und blicken konzentriert auf ihre Arbeitsblätter.

Funktioniert, was man sich am Schreibtisch ausdenkt, auch wirklich im Unterricht? Um diese Frage ging es jetzt an der Reinhold-Otto-Grundschule in Charlottenburg. Alexander Müller-Läng vom Jugend präsentiert Kids-Team war bei Lehrerin Fabienne Kostadinov zu Besuch und erlebte, wie eine von Grundschullehrkräften entwickelte Übung den Sprung aus dem „Labor“ in den Unterricht schaffte.

Kurzer Rückblick: Im Mai fand der Lab Day Grundschule von Jugend präsentiert Kids in Kassel statt. Grundschullehrkräfte aus ganz Deutschland (sowie von Deutschen Auslandsschulen) haben dabei die Möglichkeit, im gemeinsamen Austausch und mit der eigenen Unterrichtspraxis im Blick neue Übungen zu entwickeln.

Mit dabei in Kassel war auch Fabienne Kostadinov. Sie hat die Stationsarbeit auf dem Lab Day gemeinsam mit Gloria Wanke (Neu-Isenburg/Hessen), Sofie Kaske (Bratislava) und Kristina Zimmer (Bernau bei Berlin) entwickelt, und hatte nun an ihre Schule nach Charlottenburg eingeladen.

Zwei Grundschüler sitzen im Klassenzimmer an ihrem Tisch und blicken konzentriert auf ihre Arbeitsblätter.
Bei den verschiedenen Stationen lernen die Schüler*innen, worauf es bei einem guten Poster ankommt.

Die Kinder lernen, als Gruppe zusammenzuarbeiten

Bei der Stationsarbeit „Gemeinsam Poster gestalten“ lernen die Kinder in mehreren Schritten, worauf es bei einem guten Poster ankommt – und zugleich, wie man gut in der Gruppe zusammenarbeitet. Fünfzehn Kinder der Klasse 4b durften die neue Übung zunächst in einer Doppelstunde ausprobieren. Für die Schüler*innen als Gruppenarbeit eine neue Herausforderung und nicht zuletzt dank der zusätzlichen Aufmerksamkeit durch den Besuch von Jugend präsentiert Kids eine aufregende Situation.

„Mein Ausgangspunkt in Kassel war, dass ich ganz oft beobachte, wie Kids zunächst einmal schon mit der Methode der Gruppenarbeit Schwierigkeiten haben“, erklärt Kostadinov. Die Schüler*innen müssten erst lernen, gut in der Gruppe zusammen zu arbeiten, sich auszutauschen und beispielsweise auch mit unterschiedlichen Meinungen oder Herangehensweisen umzugehen.

Was sind die Herausforderungen, wenn man in der Gruppe arbeitet?

Die Stationsarbeit, die auf Grundlage eines theoretischen Inputs aus dem Jugend präsentiert Kids-Team vor Ort entstanden ist, legt deshalb den Fokus auf zwei Dinge: Die Kinder lernen erstens verschiedene Aspekte eines guten Posters kennen, und üben dabei zweitens, sich als Gruppe mit einem Thema auseinanderzusetzen. So lernen die Schüler*innen bei einer Station mögliche Herausforderungen des Arbeitens in der Gruppe mittels eines Rollenspiels kennen. Jedes Kind schlüpft in eine Rolle und es wird ein vorgegebener Dialog vorgetragen.

Vier Grundschüler*innen sitzen um einen Tisch herum im Klassenzimmer und bearbeiten gemeinsam eine Aufgabe.
Für die Schüler*innen ist die Stationsarbeit eine gute Gelegenheit, sich als Gruppe mit einem Thema zu befassen.

In dem fiktiven Szenario müssen dann unter anderem auch Meinungsverschiedenheiten gelöst werden. So wird den Schüler*innen das Thema Feedback geben und annehmen nähergebracht. „Beides ist natürlich viel leichter, wenn es nicht direkt um einen selbst geht“, sagt Kostadinov. Anhand des Rollenspiels lernen die Kinder somit „Best Practises“ in der Gruppenarbeit auf sozialer Ebene kennen.

Im Klassenraum in Charlottenburg zeigt sich dann schnell, dass die Kinder sehr viel mit der neuen Arbeitsweise anzufangen wissen. Nach der Erklärung durch die Lehrerin gibt es an dem ein oder anderen Tisch zwar noch leichte Startschwierigkeiten: Was sollen wir jetzt eigentlich machen? Aber schnell findet sich in jeder Gruppe ein Kind, das die Arbeitsanweisung vorliest, und dann werden die gestellten Fragen gemeinsam beantwortet.

Besonders beliebt ist die erste Station, hier geht es darum, genau hinzusehen und auch auf Details zu achten: Wie schnell findet die Gruppe den namensgebenden Walter in den berühmten Wimmelbildern? Alexander Müller-Läng übernimmt die Stoppuhr, die Schüler*innen dürfen sich dann an der Tafel eintragen. Neben den Rollenspielen um Thema Gruppenarbeit gibt es zudem Stationen, an denen vorgegebene Poster auf gute und weniger gelungene Aspekte untersucht werden sollen: Passen die Bilder zum Thema? Sind die ausgewählten Texte alle relevant? So lernen die Schüler*innen, auf welche Aspekte sie alles achten können.

Was haben die Kinder am Ende über das perfekte Poster gelernt?

Die Klasse hat in der Vergangenheit bereits Präsentationen vorbereitet, fürs nächste Mal nimmt man an einem Tisch jetzt viele nützliche Tipps mit: „Dass man das Poster nicht mit Bildern vollquetschen soll“, sagt zum Beispiel Nisan. „Und man muss Bilder finden, die zum Thema passen“, ergänzt Sitznachbar Raphael. Ihm gegenüber fällt Samma noch ein wichtiger Punkt für die Arbeit als Gruppe ein: „Es hilft, zu diskutieren, um sich zu einigen.“ Und was macht eigentlich Spaß am Präsentieren? Na klar: „Anderen zu zeigen, was man weiß“, sagt Nisan. „Anderen etwas über ein spannendes Thema zu erzählen“, sagt Samma. Oder, auch das gehört dazu: „Es macht Spaß, schlauer zu werden“, sagt Raphael.

Zwei Grundschülerinnen sitzen an ihrem Schreibtisch im Klassenzimmer und lächeln in die Kamera.

Fabienne Kostadinov zieht am Ende ein sehr positives Fazit. „Alle haben wirklich toll mitgearbeitet, ich bin sehr zufrieden“, sagt sie im Anschluss an die Doppelstunde. Trotz teils komplett neuer Aufgabenformate und sehr unterschiedlicher Anforderungen seien alle Kinder sehr motiviert dabeigeblieben. Fürs nächste Mal überlegt die Lehrerin lediglich, ob noch zusätzliche Zwischenschritte sinnvoll sein könnten, bei denen die Kinder das Gelernte noch einmal besser verinnerlichen. Denn, wie sich im Nachgang bei der finalen Gestaltung der Poster zeigt, hätten die Schüler*innen teils noch Schwierigkeiten, die Punkte aus den Stationen auf ein eigenes Poster zu übertragen. Dennoch: „Das Ergebnis konnte sich wirklich sehen lassen. Ein echter Aha-Moment war für mich, mit welcher Motivation die Kids in der Gruppe gearbeitet haben.“